Dieses Jahr feiern wir unser 40-jähriges Vereinsbestehen. Mit Festakt und Chronik wird im Juli gefeiert.
„Es ist leider eine traurige Tatsache, dass der Idealismus – uneigennützig für den Dienst am Nächsten bereit zu sein – im Schwinden ist. Trotzdem besteht zu Pessimismus und Resignation kein Anlass.“
Mit diesen, auch heute noch hochaktuellen, Worten begann am 3. Oktober 1970 Oberbürgermeister Dr. Dietrich Lang, Kreisvorsitzen der des Roten Kreuzes Neu-Ulm beim Gründungsfest der Wasserwacht-Ortsgruppe im Rotkreuz-Haus in Senden seine Rede.
Diesem Gründungsfest war am 22. September 1970 die Gründungsversammlung der Wasserwacht-Ortsgruppe Senden vorausgegangen. Wichtigster Tagesordnungspunkt dieser Versammlung war die Wahl des Vorstandes gewesen. Einstimmig war Bürgermeister Othmar Koch zum 1. Vorsitzenden, Dieter Ade zu seinem Stellvertreter gewählt worden. Josef Wagner wurde Technischer Leiter und Kassier, Gerhard Mayer Jugendleiter und Eugen Frieß Schriftführer.
Die Initiative zur Gründung einer eigenen Wasserwacht-Ortsgruppe Senden war vom damaligen Kolonnenführer der Rotkreuz-Kolonne Senden Josef Holzbrecher ausgegangen. Nach ersten Gesprächen im Jahre 1969 war die Gründung hauptsächlich durch Manfred Schanz, dem damaligen Abteilungsleiter der Wasserwacht-Abteilung Neu-Ulm vorangetrieben worden. Die Wasserwacht-Abteilung Neu-Ulm stellte dann auch bei der ersten öffentlichen Rettungsübung in Senden den Großteil der Akteure. Nur der Ertrinkende wurde von der Wasserwacht-Ortsgruppe Senden gestellt: Dieter Ade, der stellvertretende Vorsitzende!
Wichtigste Aufgabe der ersten Jahre waren die Werbung um weitere aktive Mitglieder und der Aufbau einer einsatzbereiten Wachgruppe. Da der „Kleine Baggersee“ (heute Hallenfreibadsee) in Senden das am meisten besuchte Gewässer der Sendener Bürger war, wurde dort eine Wachstation eingerichtet. Die Firma Bader spendierte dafür ein kleines Holzhaus, das in Eigenarbeit weiter ausgebaut wurde. Diese Hütte war für die ersten Jahre die Bleibe der jungen Ortsgruppe. Nach und nach wurde die Station erweitert, dem Grill folgte ein offener Kamin. Die Kameradschaft war prächtig und manch harter Wachtag klang fröhlich bei einem „Spontanfeschtle“ und einigen guten Tropfen aus.
Für die Badegäste wurden im „Kleinen See“ zwei Flöße als Ausruhe-punkte verankert. Das Holz wurde von Landwirten aus Ay gespendet, die Flöße in Eigenleistung von den Wasserwachtlern erstellt. Dies war der erste Beitrag zur passiven Sicherheit des Badebetriebes. Im ersten Wachsommer 1971 wurden bereits über 1.800 Wachstunden geleistet.
Die ersten Jahre nach der Gründung dienten vor allem der Ausbildung der Wachgruppen. Ohne die Unterstützung der Neu-Ulmer Wasserwacht wäre dies nicht durchführbar gewesen. Jeden Dienstagabend konnten die Aktiven aus Senden am Neu-Ulmer Training teilnehmen. Es entwickelte sich aber auch eine gute Kamaradschaft mit den Wasserwachtlern aus Neu-Ulm. So wurden z.B. einige Fußballspiele zwischen Neu-Ulm und Senden ausgetragen.
Zusätzlich zur Wachstation am „Kleinen Baggersee“ wurde auch am Waldbaggersee (heute südlicher Waldsee) ein Wachposten eingerichtet. Auch in Sachen Umweltschutz war die Ortsgruppe aktiv. Beide bewachten Gewässer wurden vom Wohlstandsmüll, wie Gerümpel und Glasscherben, gereinigt. Dem Umweltschutz sollte in Zukunft ein erhöhtes Augenmerk geschenkt werden. Auf der Hauptversammlung im Herbst 1972 wurde deshalb Georg Maier zum Naturschutzbeauftragten bestimmt.
In diesem Jahr wurde auch erstmals die Möglichkeit einer zusätzlichen festen Wachstation am Waldbaggersee diskutiert. Aufgrund versicherungstechnischer Probleme und Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Rettungsgeräte und der Wachmannschaft zogen sich diese Überlegungen solange hin, bis 1979 nach der Erstellung der Wachhütte und Ausbau der Naherholungsanlage Waldbaggersee ein Wachdienst aufgenommen werden konnte.
Die Ortsgruppe wuchs kontinuierlich an. Ende 1973 waren bereits 145 Mitglieder zu verzeichnen, davon 30 Aktive. Der Ausbau der Tauchgruppe, vor allem in enger Zusammenarbeit mit der Vöhringer Wasserwacht wurde vorangetrieben.
Im Jahr 1975 begannen die Bauarbeiten für das neue Sendener Hallenfreibad am „Kleinen Baggersee“. Aus diesem Grunde war ein Badebetrieb dort nicht mehr möglich. Die Wachhütte wurde abgebaut und dem Bürgerverein übergeben.
Da als Ausweichbadesee der „Große Baggersee“ an der B19 zur Verfügung stand, wurde beschlossen, dort einen Wachdienst aufzubauen. Es ergab sich jedoch das Problem der Unterbringung sowohl der Geräte, als auch der Wachmannschaft. Da der Wachdienst nach Fertigstellung des Freibades wieder dorthin verlegt werden würde, kam eine feste Station nicht in Betracht. Die Firma Donau-Fertigteilbau stellte als Provisorium einen Bauwagen zur Verfügung, der sowohl als Geräteraum, als auch als Aufenthaltsraum diente. Da diese Station außerhalb bewohnter Gebiete lag und auch nicht genügend gesichert werden konnte, wurden die Geräte im Keller des 1. Vorsitzenden überwintert. In dieser Saison wurde erstmals der „Tag der Wasserwacht“ durchgeführt. Anlässlich des Seefestes des Bürgervereins warb die Wasserwacht mit Rettungsvorführungen für ihre gute Sache. Auch in den folgenden Jahren unterstützte die Wasserwacht die Seefeste des Bürgervereins.
In diesem Jahr führte die Wasserwacht Neu-Ulm ein Pokalschwimmen zum Andenken an den bei einem Rettungsversuch tödlich verunglückten Reinhold Fischer durch. Die Ortsgruppe Senden nahm mit einer Mannschaft teil und belegte den fünften Platz.
Der Ausbildungsstand war inzwischen so gut und die Zahl der Aktiven so gestiegen, dass die Wasserwacht Neu-Ulm beim alljährlichen „Nabada“ im Rettungsdienst unterstützt werden konnte. So kamen die Früchte der Neu-Ulmer Ausbildungsarbeit auch hier zum Tragen.
Da sich die junge Ortsgruppe nie als eigenständiger Verein betrachtete, sondern immer als eine Gliederung des Bayerischen Roten Kreuzes, wirkte sie auch bei wasserwachtfremden Veranstaltungen mit. So z.B. bei der Großübung des Bayerischen Roten Kreuzes anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Rotkreuz-Kolonne Senden am 25.9.1976.
Das Jahr 1976 war beherrscht von den Vorbereitungen und der Planung für die Rettungsstation am neuen Sendener Hallenfreibad. Schon bald erhielt die Wasserwacht die Möglichkeit der Mitsprache, speziell bei der Einrichtung des Aufenthaltsraumes, der Ausstattung des Arztraumes und der Beschaffung von Rettungsgeräten. So wurde eine solide Basis geschaffen für einen Wachdienst mit der richtigen Ausrüstung.
Die Firma Kässbohrer spendete ein Schlauchboot „Metzeler Elefant“ im Wert von 3.000 DM, das in den folgenden Jahren beim Wachdienst wertvolle Dienste leistete.
Ab Ende Mai 1977 konnte das Training im neuen Hallenbad, das noch nicht offiziell eröffnet war, aufgenommen werden. Am 30. Juli wurde das Hallenfreibad im Rahmen einer festlichen Veranstaltung eingeweiht. Die Wasserwacht Senden führte mit Unterstützung der Kameraden aus Neu-Ulm Situationen aus dem alltäglichen Wachbetrieb vor. Im Freibecken wurden der Öffentlichkeit die verschiedenen Rettungsarten und Rettungsgeräte vorgeführt. Im „Kleinen Baggersee“ demonstrierten die Tauchergruppe und die Bootsführer mit der Bergung eines Ertrinkenden ihre Einsatzbereitschaft.
Die Zahl der Jugendlichen in der Wasserwacht stieg, bedingt durch das Trainingsangebot, sprunghaft in die Höhe. Diese aktive Jugendgruppe entwickelte sich seither zum großen Rückhalt der Ortsgruppe. Mit fast 250 Jugendlichen ist die Wasserwachtjugend die größte Jugendgruppe im Stadtgebiet Senden.
Durch das Hallenbad bot sich auch die Möglichkeit, Schwimmkurse für Nichtschwimmer, hauptsächlich Kinder, durchzuführen. Diese Ausbildung ist das erste Glied in der Kette „Kampf dem Ertrinkungstod“ und deshalb eine wesentliche Aufgabe der Wasserwacht. Im ersten Jahr wurden bereits 60 Nichtschwimmer zu Schwimmern ausgebildet. Als angenehmer Nebeneffekt sind Schwimmkurse außerdem eine wesentliche Einnahmequelle und dienen somit auch der Finanzierung von Rettungsgeräten.
Nicht nur die Jugendgruppe, sondern auch die Tauchergruppe konnte weiter aufgebaut werden. Außer den traurigen Einsätzen bei Totenbergungen, die von jedem Taucher eine psychische Belastbarkeit fordern, konnten auch einige lustige Einsätze verbucht werden. So galt die Suche nicht nur Modellbooten und anderen versunkenen Spielgeräten, sondern auch so kleinen Gegenständen wie Brillen und Zahnersätzen. Nicht immer war die Suche erfolgreich, insbesondere der Mann ohne Zähne musste an den Zahnarzt verwiesen werden.
Kaum war die Wachstation am Hallenfreibad in Betrieb genommen und die ersten Wachstunden absolviert, da begann schon die Planung für die Wachstation am Waldbaggersee. Besonders zu erwähnen ist hierbei die Unterstützung von Herrn Dr. Schorr, der seit Herbst 1977 als Wasserwachtsarzt eine große Hilfe bei medizinischen Fragen ist. Ihm ist es zu verdanken, wenn die Wachstation am Waldbaggersee vom medizinischen Standpunkt her optimal ausgerüstet ist. Diese Ausrüstung wurde durch Schwimmkursgebühren und Mitgliedsbeiträge von der Ortsgruppe Senden selbst finanziert (ca. 8.000 DM).
Erstmals wurde im Jahr 1977 an Silvester ein Wintertauchgang durchgeführt. Bei Schneefall, Eis und Minusgraden war es eine rundum fetzige Angelegenheit. Dieses Wintertauchen ist inzwischen zu einem festen Bestandteil des Winterprogramms geworden und findet alljährlich als Dreikönigstauchen am 6. Januar statt.
Da mit dem Hallenbad in Senden jetzt zusätzlich zum Neu-Ulmer Hallenbad ein zweites großes Schwimmbad im Landkreis Neu-Ulm zur Verfügung stand, konnte das Reinhold-Fischer-Gedächtnisschwimmen zum ersten Mal in Senden ausgetragen werden. Seitdem wird es jeweils abwechselnd in Neu-Ulm und in Senden veranstaltet. Hinter der Mannschaft aus Neu-Ulm belegte die Mannschaft aus Senden den zweiten Platz.
Im Herbst 1978 begannen die Bauarbeiten an der neuen Wachstation am nördlichen Waldbaggersee, dessen Ufer vom Naherholungsverein des Landkreises Neu-Ulm in Zusammenarbeit mit der Stadt Senden ausgebaut wurde.
Das beherrschende Ereignis 1979 war am 23. Juni die Einweihung der Naherholungsanlage Waldsee und der dort errichteten Wachstation. Von Rettungsvorführungen der Wasserwacht untermalt, vom Betreu-ungszug des Roten Kreuzes versorgt und von der „Illerband“ musika-lisch begleitet, konnte die Anlage ihrer Bestimmung übergeben werden. Unter den Ehrengästen waren MdL Edi Hartmann, Landrat Franz Josef Schick, Bürgermeister und Kreisräte aus dem Landkreis, sowie Stadträte. Nach der kirchlichen Weihe durch Geistliche beider Konfessionen wurde aus den Festlichkeiten noch ein kleines Volksfest, das bei schönem Wetter bis in die Abendstunden dauerte.
Im Gegensatz zum Bauwagen am „Großen Baggersee“ verfügt die Wasserwacht jetzt über eine optimale Wachstation. Mußten bis jetzt die Geräte im Aufenthaltsraum aufbewahrt werden, so steht im neuen Ge-bäude neben Geräte- und Aufenthaltsraum ein komplett eingerichteter Arztraum zur Verfügung. Herr Dr. Schorr bezeichnete die Ausrüstung vom medizinischen Standpunkt her als das „non plus ultra“.
Die Wachstation am „Großen Baggersee“ wurde aufgelöst, da es nicht möglich war, drei Wachstationen parallel zu betreuen.
Für die Jugendlichen in der Wasserwacht war das entscheidende Ereignis in diesem Jahr das Skiwochenende im österreichischen Sulzberg. Unter den Fittichen von Rosa Böckeler, die unermüdlich für alles sorgte und ohne deren Einsatz der Ausflug unmöglich gewesen wäre, erlebten die Teilnehmer drei fröhliche Tage in den Bergen des Bregen-zer Waldes. Ob am Abend beim Faschingstanz oder untertags beim Skifahren auf den Hängen des Hochhädrichs die Stimmung war stets auf dem Höhepunkt.
Die Tauchgruppe beendete das Jahr mit einem Tauchgang in den Höhlen des Blautopfes in Blaubeuren. Unter Leitung von Manfred Jäger, dem Schwimmeister des Sendener Hallenbades, konnten die Taucher die Faszination des Höhlentauchens erleben. Ein Ereignis, das bei jedem in Erinnerung bleiben wird.
Das Skiwochenende im Jahr 1980 führte die Jugend nach Weißenbach in Tirol. Von zwei Ausnahmen abgesehen (Gschwend und Pitztal) wurde dort von nun an jedes Jahr ein fetziges Skilager durchgeführt, mit Skiausfahrten ins Tannheimer Tal nach Nesselwängle, auf den Hahnenkamm bei Reutte, nach Warth ins hintere Lechtal und einmal sogar nach Lech am Arlberg, da sich der Schnee am Skilift Steffisalpe in Warth bis auf 2000 m zurückgezogen hatte. Besonders zu erwähnen ist der unermüdliche Einsatz von Rosa Böckeler, die sich bei jeder Skiausfahrt von früh um 5 Uhr bis spät in die Nacht für uns abrackert. Wenn die ersten aufstehen, ist der Kaffeetisch schon gedeckt.
Im Jahr 1980 feierte die noch junge Ortsgruppe ihr 10-jähriges Bestehen und zwar wie es typisch für sie ist: Nicht nur mit einem Festakt, sondern in familiärer Form, gemäß der Kameradschaft und dem Teamgeist in ihren Reihen.
Zum ersten Mal wurde das Seefest des BVUI neben der Wachstation am Waldbaggersee ausgetragen. Den Rotkreuzdienst an Land und im Wasser übernahm die Wasserwacht. Dieses Seefest entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem festen Bestandteil des Jahresprogramms des BVUI. Neben anderen Vereinen aus Senden und Ay leistete auch die Wasserwacht Senden durch die unentgeltliche Bereitstellung von Rettungspersonal während des kompletten Festes ihren Beitrag zum Gelingen dieses großartigen Freiluftspektakels.
Um stets einsatzbereit sein zu können, wurde für die Tauchgruppe 1981 ein eigener Kompressor beschafft. So können jetzt nach jedem Taucheinsatz die Tauchgeräte sofort wieder gefüllt werden. Bisher mußten die Geräte bei den Kameraden in Neu-Ulm oder bei der Freiwilligen Feuerwehr Senden gefüllt werden.
Zur Mitgliederwerbung wurde ein „Tag der offenen Tür“ mit Rettungsvorführungen und eine Ausstellung der Rettungsgeräte durchgeführt. Besonders bei Jugendlichen machte sich durch die besseren Trainingsbedingungen im Sendener Hallenbad die Mitgliederwerbung allmählich bezahlt.
Beim Jugendschwimmwettkampf 1981 auf Bezirksebene belegte die Mannschaft von Senden den ersten Platz und vertrat den Bezirk Schwaben bei den Bayerischen Meisterschaften in Sulzbach-Rosenberg. Durch einen ganzen Bus voll Schlachtenbummler wurde die oberpfälzische Wettkampfarena zu einem Sendener Heimspiel um-funktioniert. Nach tollen Leistungen im Schwimmen mußten sich die Sendener jedoch durch fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen in der Theroretischen Prüfung geschlagen geben. Der letztendlich 3. Platz spiegelt nicht im mindesten die tolle Sendener Mannschaftsleistung wieder.
In diesem Jahr gab es auch erste Überlegungen zur Beschaffung eines eigenen Taucheinsatzfahrzeuges. Da jedoch Zuschüsse vom Kreisverband Neu-Ulm bzw. Bezirksverband Schwaben in dieser Zeit nicht zu erwarten waren, mußte diese Anschaffung bis auf weiteres zurückge-stellt werden. Es begann eine unermüdliche Mittelbeschaffung; voran-getrieben vom Wasserwacht-Arzt Dr. Michael Schorr.
Die Sendener Mädchenmannschaft belegte 1982 beim Schwimmwettkampf in Sonthofen den 1. Platz auf Bezirksebene und fuhr zu den Bayerischen Meisterschaften nach Nürnberg, wo sie den 5. Platz belegten.
Die Tauchgruppe war in den letzten Jahren so gut ausgerüstet worden, dass der Aufstellung einer zusätzlichen SEG (Schnelleinsatzgruppe für Wasserrettung) nichts mehr im Wege stand. Die Einsatzbereitschaft wurde auch durch Einsätze außerhalb Sendens unter Beweis gestellt, wie z.B. bei einer Fahrzeugbergung aus der Iller bei Vöhringen. Die Tauchbereitschaft für den nördlichen Landkreis Neu-Ulm wurde nun im Wechsel mit der Ortsgruppe Neu-Ulm gestellt.
Die 1. Bootsfahrt der Ortsgruppe Senden war für die Jugendgruppe das herausragendste Erlebnis in diesem Jahr: Ausgerüstet mit 2 Schlauchbooten vom Typ Metzeler Elefant mit zwei 5-PS-Außenbordmotoren gings von der Wachstation am nördlichen Waldsee diagonal über den See Richtung Pipeline. Dort wurden die Boote zur Iller, dann um das Ayer Wehr herumgetragen. Wegen Wassermangels der Iller konnte man aber erst ab Freudenegg richtig fah-ren. Bis dahin mußten die Boote mehr getragen als gefahren werden. So war es nicht verwunderlich, dass es bereits Mittag war, als die Grup-pe Ulm erreichte. Nonstop ging es weiter bis in die späte Nacht hinein und das Ziel Donauwörth war noch weit. Als dann die Boote bei Höchstadt in der einzigen Stromschnelle fast kenterten, wurde Edwin Böckeler als Scout zur Suche des Zeltlagers, das beim Kanuclub Donauwörth aufgeschlagen war, losgeschickt. Um halb ein Uhr morgens waren dann alle wohlbehalten am Lagerfeuer und hatten ein unvergessliches Abenteuer hinter sich. Dies war die Geburt einer weiteren regelmäßigen Jugendveranstaltung. 1995 fand die Bootsfahrt zum 13. Mal statt.
Am 28. Februar 1983 wurde die erste Geschäftsstunde in der Wohnung von Gunter Böckeler abgehalten. Seitdem wird die Geschäftsstunde im 2-wöchigen Turnus jeweils am Montag abgehalten. Dies war notwendig geworden, weil inzwischen so viel regelmäßiger Schreibkram angefal-len war, der sich nicht mehr nach den Trainingsabenden beim gemütlichen Beisammensein erledigen ließ.
Durch die guten Leistungen und Resultate bei Bezirks- und Landeswettkämpfen hatte die Wasserwacht Senden auf sich aufmerksam gemacht. Sie wurde gebeten, im Herbst 1983 die Bayerischen Jugendmeisterschaften im Rettungsschwimmen auszutragen. Für 2 Tage war Senden der Schauplatz spannender Wettkämpfe. Organisatorisch lief alles glänzend über die Bühne. Untergebracht waren die Jugendlichen mit ihren Betreuern in der Turnhalle der Bürgermeister-Engelhardt-Schule neben dem Hallenbad. Die Verpflegung wurde in der Mehrzweckhalle in Aufheim ausgegeben.
Die diesjährige Bootsfahrt wurde erstmals auf der Donau von Kelheim nach Straubing mit 4 Motorbooten durchgeführt. Trotz mahnender Worte einiger Hauptamtlicher der Landeswasserwacht nahmen die Jugendwarte Erwin Berner und Edwin Böckeler die Verantwortung auf sich und zogen die Veranstaltung mit den Wasserwacht-Rettungsbooten als jugendpflegerische Maßnahme durch. Nach der Besichtigung kulturhistorischer Baudenkmäler aus der bayerischen Königszeit (Befeiungshalle in Kelheim, Kloster Weltenburg mit Donaudurchbruch und die Walhalla in Regensburg) gab es noch einen zünftigen Kameradschaftsabend beim Kanuclub Straubing mit der dor-tigen Wasserwachtortsgruppe. Die Kameradschaft mit der Ortsgruppe Straubing wurde in den kommenden Jahren durch weitere Bootsfahrten und Gegenbesuchen intensiviert.
Im Spätherbst wurde dann noch das lang diskutierte Einsatzfahrzeug beschafft und komplett aus Eigenmitteln der Wasserwacht-Ortsgruppe, Spenden von Bürgern Senden und durch 3.000 DM Zuschuss von Seiten der Stadt Senden finanziert. Großes Lob für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Mittelbeschaffung verdient hier Dr. med. Michael Schorr. Ohne sein Engagement wäre die Beschaffung dieses wichtigen Einsatzgerätes nicht zu bewältigen gewesen. Zitat von Bürgermeister Othmar Koch: „Dr. Schorr hat die Spenden überall herausgekitzelt“.
Am 7. Juli 1984 war die feierliche Einweihung des neuen Rettungsfahrzeuges am Rotkreuz-Haus in Senden. Der Ausbau war in Eigenregie mit 370 Stunden durch Albert Gansler, Ewald Kollmann und Dieter Willer durchgeführt worden. Bei der Einweihung betonte Landrat Franz Josef Schick: „Dieses Fahrzeug erhöht die Schlagkraft der Wasserwacht und die Sicherheit jedes einzelnen Bürgers ganz beträchtlich“. Da jedoch ein Taucheinsatzfahrzeug allein, ohne Boot, im Ernstfall nur die halbe Miete ist, begannen kurz nach der Einweihung bereits die Planungen für die Anschaffung eines eigenen Rettungsbootes.
Der Ausbildungsstand im Sanitäts- und Rettungswesen hatten einen so guten Stand erreicht, dass 1984 zum ersten Mal gemeinsam mit der Rotkreuz-Kolonne Senden der Hintergrunddienst versorgt wurde. Seitdem wird dieser Hintergrunddienst von Kolonne und Wasserwacht gemeinsam getragen und ist ohne das Mitwirken der Wasserwacht Senden nicht mehr denkbar.
Im Frühjahr 1985 wurde ein Boot mit einem 30-PS-Außenborder beschafft und am 9. Juni 1985 in Dienst gestellt. Frau Edith Weiss, eine langjährige Freundin und Sponsorin der Wasserwacht Senden taufte das Boot bei einer kleinen Feierstunde auf den Namen „Libelle“. So hatte die Ortsgruppe innerhalb von 2 Jahren die Ausrüstung einer kompletten Tauch-Schnelleinsatzgruppe durch Eigenleistung und Spenden von Sendener Bürgern sowie der Stadt Senden, beschafft.
Die Geldmittel beschaffte sich die Ortsgruppe durch Altstoffsammlungen im Stadtgebiet Senden, die seit 1985 regelmäßig durchgeführt werden. Auch die Betreuung weiterer „artfremder“ Veranstaltungen wie das Waldparkfest, Jazzkonzert oder Generalversammlungen von Banken wurden genützt, um die notwendigen Geldmittel für wichtige Rettungsgeräte zu beschaffen.
Die Jugendgruppe betätigte sich auch außerhalb der eigentlichen Wasserwachtsarbeit. So wurden z.B. Mannschaften, wie schon in den vergangenen Jahren, mit Erfolg zu den Jugend-Rotkreuz-Wettkämpfen entsandt.
Deshalb wurden 1986 die Jugend-Rotkreuz-Spiele in Senden von der Wasserwachts-Ortsgruppe Senden organisiert. Dabei belegten die Jugendgruppen von Senden gleich in zwei Alters-stufen jeweils den 1. Platz.
Ein spektakulärer, jedoch lustiger Einsatz war das Wettsägen am „Tag der Vereine“ bei der Heimatwoche in Senden. Gegen erfahrene und ausgebuffte Holzfäller aus anderen Sendener Vereinen spielte die Mannschaft der Wasserwacht Senden ihr ganzes technisches Können aus und belegte souverän den 1. Platz
Bei den Jugendrotkreuzwettspielen auf Bezirksebene in Schwangau belegte die Mannschaft aus Senden den 1. Platz und qualifizierte sich damit für den Landesentscheid in Chieming. Dies war das erste Mal, dass sich eine Mannschaft des Rotkreuz-Kreisverbandes Neu-Ulm als Vertreter des Bezirks Schwaben für die Bayerischen Meisterschaften qualifizierte. Beim Landesentscheid belegte die Mannschaft einen hervorragenden 2. Platz und verpasste nur um Haaresbreite den Einzug ins Finale auf Bundesebene.
So langsam wurden die einzelnen Sendener Rotkreuz-Gliederungen immer stärker und auch die Ausrüstung wurde immer umfangreicher. Deshalb gab es erste Überlegungen ein neues Rotkreuz-Heim zu bauen. Die Stadt versprach ihre Mitwirkung, da auch die Feuerwehr Platz-bedarf angemeldet hat und so eventuell das Feuerwehrhaus zum Rotkreuz-Heim umfunktioniert werden könnte. Der Sendener Stadtrat beschloss, dass das Feuerwehrhaus vom Roten Kreuz übernommen wird. Alle Gliederungen des Bayerischen Roten Kreuzes in Senden sollten die Möglichkeit haben, die Räumlichkeiten zu nutzen. Die Übernahme zog sich jedoch noch 5 Jahre hin, bis das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut war und das alte dem Bayerischen Roten Kreuzes 1994 zur Renovierung übergeben werden konnte.
1988 wurde von der Jugendgruppe die erste 5-tägige Radtour unternommen. Das Ziel war der Bodensee. Das ganze war eine fetzige Angelegenheit und so wurde der Termin „Radtour“ zu einem festen Bestandteil im Veranstaltungskalender der Wasserwacht. Unvergessen sind die Ausflüge zum Ammersee mit Hähnchenvesper in Andechs oder zum Bannwaldsee mit dem Lager direkt am Bootshaus. Stets war die Stimmung riesig und jeder Teilnehmer war traurig, dass die 5 Tage so schnell vorbei war.
Zum Jahreswechsel 1988/1989 gab der langjährige 1. Vorsitzende Bürgermeister Othmar Koch den Vorsitz ab. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für 18 Jahre aktive Vereinstätigkeit.
Nachdem der Ausbau der Wachstation am Waldsee von der Stadt Senden genehmigt worden war, begannen die Umbauarbeiten für eine größere Wachstation im Herbst 1989. Öffentliche Toiletten und Umkleidekabinen wurden eingerichtet, sowie eine größere Garage für die Wasserwacht ausgebaut.
Am 1.12.1989 erschien der erste „Wasserspiegel“, das Informationsblättle der Wasserwacht Senden. Seither wurde die Auflage kontinuierlich erhöht und das Blatt ist zu einer heißbegehrten Lektüre an jedem Monatsanfang geworden. Nachfolgend die Ausgabe 1-12/89:
Am 14. Juli 1990 wurde die umgebaute Wachstation offiziell eingeweiht. Für das ausgemusterte erste Schlauchboot „Elefant“ wurde ein neues Schlauchboot mit Hartschalenboden im Rahmen einer Ersatzbeschaffung zur Verfügung gestellt. Dieses Boot wurde bei der Einweihungsfei-er des Rotkreuz-Hauses in den Dienst gestellt und auf den Namen „Mäusle“ getauft.
Leiche im Waldbaggersee
Am 11.11.1991 gegen 11:11 Uhr, wurden die Taucheinsatzgruppen des nördlichen Landkreises alarmiert, weil Passanten im Sendener Waldbaggersee angeblich eine leblose Person gesichtet hatten. Außer den Taucheinsatzfahrzeugen Senden und Neu-Ulm rückten noch der Rettungsdienst aus Weißenhorn und die Sendener Feuerwehr aus. Rettungstaucher Gunter Böckeler brachte dann tatsächlich eine leblose Gestalt an die Wasseroberfläche. Es handelte sich dabei jedoch um die Schaufensterpuppe „Onanita“, welche bei Übungstauchgängen der Wasserwachtsortsgruppe Senden als „Leiche“ herhalten muss und bei einem Tauchparcour das letzte Mal im „Einsatz“ war. Weil sie in der Wachstation nur Platz wegnimmt und recht stinken würde, aber im Wasser angeblich am wenigsten stört, warf unser Albe die Puppe, nachdem sie am Ende des Tauchparcours bereits ans Ufer gebracht worden war, wieder in den See. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf…
1992 wurde beschlossen, einen Mannschaftstransportwagen zu beschaffen. Die Idee zur Beschaffung eines solchen Fahrzeuges schwirrte schon länger in den Köpfen der Vorstandschaft umher. Durch großzügige Zuschüsse des Landkreises Neu-Ulm und der Stadt Senden war die Finanzierung gesichert und das Fahrzeug wurde beschafft Damit verfügt die Wasserwacht-Ortsgruppe Senden über ein komplettes Wasserrettungs-Schnelleinsatzfahrzeug mit Boot, sowie einen zusätzlichen Mannschaftstransportwagen, um im Bedarfsfall schnell weiteres Personal nachrücken zu lassen.
Die Stadt Senden meldete Eigenbedarf für den bisherigen Wachraum am Hallenfreibadsee an. Als Ersatz dafür wurde eine Blockhütte auf der Liegewiese am See geplant. Die Aufstellung dieser Hütte zog sich jedoch fast zwei Jahre hin und wurde erst zum Wachbeginn 1994 aufgestellt.
Da das Rettungsboot „Libelle“ langsam den Geist aufgab, wurde über den Kreisverband Neu-Ulm und den Bezirksverband Schwaben als Ersatzbeschaffung ein Aluboot der Wasserwacht Moosbach vom Rottach-Stausee ins Auge gefasst und im Frühjahr 1995 wurde dieses Boot als Ersatz für die ausgemusterte „Libelle“ in Dienst gestellt.
Im Frühjahr 1993 wurde der Bezirkswettkampf der Wasserwacht-Jugend in Senden ausgetragen. Für die Abteilung Neu-Ulm starteten in allen Altersgruppen Mannschaften aus Senden. Alles lief super, Dank der Unterstützung durch den Betreuungszug Vöhringen und die Wasserwacht-Abteilung Neu-Ulm. Einmal mehr hatte die Wasserwacht Senden bewiesen, dass sie aus den Kinderschuhen herausgewachsen und in der Lage ist, sportlich und organisatorisch in Bayern mitzuhalten. Ganz nebenbei wurde an diesem Wochenende von der Ortsgruppe noch eine Altstoffsammlung im Stadtgebiet Senden durchgeführt.
Der Ausbau des ehemaligen Feuerwehrhauses zum Rotkreuz-Heim nahm im Frühjahr 1994 etliche Wochenenden und Feierabende in Anspruch. Zusammen mit den anderen Rotkreuz-Gliederungen Bereitschaft (Kolonne), Jugendrotkreuz und Bergwacht wurde das Haus innen und außen komplett renoviert.
Am 28.9.1994 wurde das Haus im Rahmen eines „Tag der offenen Tür“ offiziell eingeweiht. Vorbei sind nun die Zeiten wechselnder Kneippennebenzimmer für das gemütliche Beisammensein nach dem Training. Ab jetzt sitzen wir im Rotkreuz-Stüble. Vorbei auch die Zeiten, wo die Geschäftsstunde bei Wasserwachtkameraden in deren Privatwohnung abgehalten werden müssen. Jede Gliederung hat jetzt ihr eigenes Büro.
Unter dem Motto „NO RISK - NO FUN“ stand die 1. Rafting-Tour der Ortsgruppe im Mai 1995: Unter fachkundiger Leitung eigens engagierter Rafting-Profis wurde Europas berühmteste Wildwasserstrecke durch die Imster Schlucht bezwungen. Verschiedene sportliche Einlagen zwischen schmelzwasser-gefluteten Felsen und Stromschnellen sorgten für innigen Kontakt mit unserem ureigensten Element, dem Wasser. Selbst „Ötzi“ hätte im Wiederhall unserer Schlachtrufe sein Lager verlassen und wäre nie gefunden worden. Die Bootsführer des Raftingveranstalters merkten sehr schnell, dass sie es bei uns mit „koine G´wönliche“ zu tun hatten und dass uns das „Wilde Wasser“ keinen besonderen Respekt einflößt. So lösten die vielen freiwilligen Sprünge ins reißende Gletscherwasser bei den Profis nur Staunen und Kopfschütteln aus. Umrahmt war der Ausflug von einem dreitägigen Zeltlager, welches für eine Vertiefung der Kameradschaft sorgte.
Schließen soll diese Chronik mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass die nächsten 25 Jahre eben soviel Spaß am Sport und Freude an der Wasserwachtsarbeit bringen sollen.
Ab hier bald der neue Text für die folgenden 15 Jahre.